Wenn man potentielle Hilfsgüter einfach shreddert...
[ Dieser Artikel ]
hat mich heute beim Aufschlagen meiner BNN verärgert, schockiert und mal wieder an der Vernunft der Menschheit zweifeln lassen.
Da shreddern also drei verschiedene Firmen in Spezialöfen 117 Kontainer voller gefakter Markenware wie T-Shirts, Pullover, Sportschuhe, Uhren, Softairs und so weiter. Der Gesamtwert beträgt etwa 383 Millionen Euro.
383 Millionen Euro in teils nützlichen Gütern also, diese bläst man jetzt durch einen Schornstein.
Aber auf die Idee, das Zeug nach Afrika zu verschiffen, wo man es als kostenlose [immerhin ist das Zeug ja beschlagnahmt, niemand hat darauf noch ein Recht] Spende VERSCHENKEN könnte, nein, darauf kommt niemand. Achwas. Lieber shreddern wir die 383 Millionen Euro als sie den Menschen in Afrika zu geben, damit die mal was zum anziehen haben.
Was dagegen tun? Ich für meinen Teil schreibe jetzt erstmal eine Mail an den Zoll in Deutschland. Die eMailadresse lautet:
zoll.presse@ofdhh.bfinv.de
Damit auch ihr das tun könnt, hier mal eine kleine Standardmail die ihr versenden könnt:
Betreff: Vernichtung der 117 Containern voller Plagiate
Ich Vorname Nachname finde es ein ungeheuerliches Verbrechen an der Menschlichkeit, diese ganzen Plagiate einfach zu verbrennen als sie einem guten Zweck zu stiften. Ohne Probleme ließen sich diese Sachen in die dritte Welt verschenken, damit die Menschen dort mal etwas anzuziehen haben, und eine Bestrafungsmaßnahme gegen die Fälscher wäre trotzdem gegeben.
Stoppen sie das, bevor es zu spät ist!
Vorname Nachname
Schöner wäre natürlich ein persönlicher Text eurerseits, damit das nicht wie Pseudoaktivismus aussieht. Desweiteren ist der Text oben recht holprig, da er gerade in 2 Minunten entstand und ich nicht mehr Zeit habe.
Raise your voice!
EDIT: Das ist meine Mail:
Ich hätte doch einmal eine Frage an ihre Behörde, bzw ich hoffe, dass sie diese Mail an die Behörde weiterleiten, die dafür verantwortlich ist.
Wie kommen Sie auf die Idee
* 101 Container mit 945.384 Paar Sportschuh-Plagiate der Firma "Nike",
* acht Container mit 71.864 Paar Sportschuh-Plagiate der Firma "Adidas",
* zwei Container mit 33.036 Paar Sportschuh-Plagiate der Firma "Puma",
* vier Container mit 34.216 Paar Schuhplagiaten verschiedener Markenhersteller
(Originalwert: über 136 Millionen Euro),
* ein Container mit 123.600 Stück gefälschten Textilien verschiedener Marken (Originalwert über 13 Millionen Euro).
shreddern zu lassen? Ist ihnen eigentlich bewusst, was man mit diesen Mengen an Gütern in der dritten Welt anfangen könnte?
Ihnen ist doch sicher das Bild mit dem Kind bekannt, dass zwei zertretene Wasserflasche mit Schnur befestigt als Flipflops trägt, oder? Nein? Wie dem auch sei, ihnen ist sicherlich bekannt, das in großen Teilen der Welt eine Armut herrscht, die man sich hier nicht vorstellen kann. Natürlich kann man Sportschuhe nicht essen, aber man kann diesen Menschen einen Teil ihrer Menschenwürde zurückgeben, die sie verloren haben. Kleidung ist da ein guter Anfang!
Was denken sie, wie würden sie sich fühlen, wenn sie nichts anzuziehen hätten, aber in anderen Teilen der Welt eine riesige Menge an Kleidung geshreddert wird? Ungerecht behandelt? Verarscht? Würden sie sich auch fragen, was für einer Zynik es bedarf, um soetwas zu bewerkstelligen?...
Ich hoffe, man kann diesen Prozess noch stoppen. Schnell.
Mit freundlichen Grüßen
Max *****
EDIT 2: Hier die Antwortmail die ich [und wahrscheinlich jeder andere auch] bekam:
Sehr geehrter Herr *****,
Ihre Frage, ob eine Vernichtung von gefälschten Produkten notwendig ist,
lässt sich zunächst mit der Verordnung (EG) Nr. 1383/2003 des Rates vom
22. Juli 2003 beantworten, die das Vorgehen der Zollbehörde auf dem
Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes und die zu ergreifenden
Maßnahmen regelt. Danach haben die Mitgliedstaaten dafür zu sorgen, dass
diese zumeist qualitativ minderwertigeren Produkte vernichtet werden.
Ich gebe aber neben der rechtlichen Vorgabe auch zu bedenken, dass diese
gefälschten Produkte für den Verbraucher mitunter Sicherheitsrisiken
darstellen und gesundheitliche wie qualitative Beeinträchtigungen nach
sich ziehen können. Es ist auch bei Sportschuhen von Bedeutung aus
welchen (Kunst-)Stoffen die Laufsohlen gefertigt sind und ob der
Versenbereich wie auch das Fussbett die nötige Stabilität bzw. gesunde
Passform bieten.
Die europäische Gesetzgebung sieht gerade wegen der mängelbehafteten
Produkte den Schutz des Verbrauchers als eines der wichtigsten Ziele an.
Dabei kommt es nicht darauf an, wer und wo der Verbraucher beheimatet
ist.
Ich hoffe, dass ich Ihnen mit meiner Antwort weiterhelfen konnte. Für Fragen stehe ich zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Sarah Gauweiler
Oberfinanzdirektion Hamburg
-Pressestelle Zoll-
Rödingsmarkt 2
20459 Hamburg
Tel: 040/42820-2632
Fax: 040/42820-2385
Dazu habe ich zu sagen, dass ich den Standpunkt ein Stück weit verstehen kann. Adidas ist angepisst, weil eventuell das Zeug dann weiterverkauft werden könnte, deswegen müssen gefälschte Markenartikel zerstört werden. Und natürlich noch wegen der minderwertigen Qualität, aber lest doch selbst in meiner Antwortmail:
Ich verstehe die Logik dahinter nicht. Diese Dinge wurden bereits gefertigt und stehen somit zur Verfügung. Zudem haben sie einen riesigen Wert.
Man könnte diese Turnschuhe und so weiter doch einfach neongrün ansprühen, damit wäre das Markenzeichen zerstört und der Widerverkaufswert gleich Null. Das wäre vermutlich billiger als diese Vernichtungsmaßnahme, die Markeninhaber wären zufrieden und den Menschen wäre damit geholfen. Denn ein gefakter Nike-Turnschuh hat in jedem Fall eine bessere Ergonomie als Barfuß über Stock und Stein. Oder eben mit Volvic-Wasserflaschen.
Desweiteren ist diese Art der Argumentation für T-Shirts oder andere Textilien hinfällig, da es bei diesen wohl kaum auf eine gesunde Passform ankommt.
Selbst wenn die Ware minderwertig oder schlecht verarbeitet ist, man könnte diesen Menschen die Kleidung wenigstens einmal in Aussicht stellen, wenn sie sie wollen, sollen sie sie haben. Vernichten kann man den Kram im Nachhinein immernoch.
Mit freundlichen Grüßen & Danke für eine Antwort
Max *****
4 Kommentare:
done!
"EDIT 2: Hier die Antwortmail die ich [und wahrscheinlich jeder andere auch] bekam:"
richtig...bekam ich auch
Ich denke nicht, dass wir die Links besuchen sollten...
Weil wer diesen Blog [der ja deutsch ist] versteht und ihn lobt, der kann auch auf Deutsch antworten...
Die Namen der Links lass ich mal unkommentiert x)
Mhm interssante und viel zu kurz gedachte Idee... abgesehn davon das gefälschte Güter gesundheitsschädigend sein können (und ja, Barfuß laufen ist gesünder als mit nicht ergonomisch richtig konzepierten Schuen) zerstört das Verschneken von minderwertiger Ware außerdem die Wirtschaft der jeweiligen Länder. Die Versorgung der Menschen mit solchen Gütern ist vllt kurfristig effektiv, auf dauer jedoch wird sie nur zu noch mehr Armut führen.
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